März 29

Interview mit Celine Nadolny von Book of Finance

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Schon seit Kindertagen ist Bloggerin Celine Nadolny eine begeisterte Leseratte. Als Jugendliche ebnete ihr Robert T. T. Kiyosakis „Rich Dad Poor Dad“ den Zugang zu Sachbüchern mit Finanzbezug. Seitdem hat sie rund 600 solcher Werke verschlungen - und rezensiert.

Mit ihrem Blog Book of Finance verknüpft die Unternehmerin erfolgreich zwei ihrer Leidenschaften: die für die Themen Finanzen, Mindset & Karriere mit dem Lesen.

Logo Book of Finance - Interview mit Celine Nadolny

Grund genug, dass wir Celine um ein Gespräch gebeten haben. Denn von wem könnten wir besser erfahren, welche Finanzbücher die wirklich guten sind und was folglich auf die eigene weiterbildende Leseliste gehört?

CME: Liebe Celine, vielen Dank, dass du dir die Zeit für uns genommen hast, um ein paar unserer Fragen zu beantworten. Wir wissen, dass du mit deinem Blog und den dazugehörigen Social Media Accounts eine vielbeschäftigte Frau bist.

Celine: Selbstverständlich gerne. Und es stimmt, ich arbeite im Grunde 24/7, aber es fühlt sich eher weniger nach Arbeit an. Denn mit Mut, Fleiß und Kreativität habe ich es geschafft, meine Leidenschaft zum Beruf zu machen und das macht mich stolz.


CME: Zunächst einmal interessiert uns: Wie viele Bücher liest du in der Woche?

Celine: Das ist wirklich sehr unterschiedlich. Im Schnitt sind es etwas mehr als 2 Bücher die Woche, aber manchmal lese ich auch 2-3 Wochen kein einziges Buch, wie beispielsweise während meiner Zeit im Miss Germany Camp. An anderen Wochenenden lese ich 4-5 Bücher direkt hintereinander.


CME: Liest du ausschließlich Sachbücher oder kann man dich auch mit einem anderen Genre begeistern?

Celine: Tatsächlich lese ich hauptsächlich Sachbücher. Aber ab und an kommt auch mal ein Roman dazwischen. Das liegt vornehmlich daran, dass ich aus Neugierde lese, um zu lernen und zu wachsen, weniger zur Unterhaltung oder zum Runterkommen. Es wäre aber falsch zu glauben, dass man nur aus Sachbüchern wertvolle Dinge lernen kann. Auch in anderen Genres finden sich Werke mit unschätzbarem Mehrwert und so kommt es auch, dass mein Lieblingsbuch ein Roman ist und mich mehr gelehrt hat als so manches Sachbuch.

CME: Hast du einen Lieblingsort, an dem du besonders gerne liest?

Celine: Bei mir ist es kein spezifischer Ort, aber vor allem in der Natur und an der frischen Luft lese ich gerne. Wenn ich einen ruhigen Platz mit schöner Aussicht finde, dem Rauschen der Blätter oder der Wellen lauschen kann, dann kann ich tief in die Bücher versinken. Wenn ich allerdings zu Hause bin, dann ist es in der Regel mein Sessel vor meinem Bücherregal mit einer heißen Tasse Tee und einer warmen Decke.


CME: Was ist dein All-Time-Favorite unter den rund 600 gelesenen Finanzbüchern - und warum?

Celine: Zunächst einmal waren es nicht alles Finanzbücher, die ich gelesen und rezensiert habe. Selbstverständlich vornehmlich Bücher im Finanzbereich, aber auch viele Werke zur Persönlichkeitsentwicklung, dem Unternehmertum, teilweise auch über Ernährung, Sport und viele weitere Themen. Geld ist und bleibt für mich nur Mittel zum Zweck. Es geht nicht wirklich ohne – oder zumindest besser mit – aber zum Mittelpunkt des Lebens sollte das Thema niemals werden.

Viel wichtiger ist es meiner Meinung nach, sich Gedanken über den eigenen Zweck der Existenz und die großen Lebensziele zu machen. Nur wer den inneren Kompass kennt, wird ein glückliches Leben führen können – davon bin ich überzeugt.

Celine Nadolny präsentiert das Finanzbuch "Souverän investieren" von Gerd Kommer

Celines Buchtipp für einen grundlegenden Aufbau von Finanzbildung: Gerd Kommer "Souverän investieren"

Wenn ich mir nur ein einziges Finanzbuch heraussuchen dürfte, dann wäre es Souverän Investieren von Gerd Kommer. Schlicht, weil es meiner Meinung nach nicht nur eines der wenigen rational und wissenschaftlich belegten Werke ist, weitestgehend frei von Interessenkonflikten, sondern auch mit subtilem Humor bereits im Buch selbst auf die häufig emotional geprägte Kritik am Autor und dem Investmentansatz eingeht.

Wer dieses Buch vollständig durchdrungen hat, ist gerüstet vor all der penetranten Investmentpornografie, die da draußen allgegenwärtig nach Opfern sucht.

CME: Wie stehst du zu den „Klassikern“ weiser Finanzgurus wie Buffett oder Kostolany?

Celine: Die Werke dieser beiden Koryphäen fand ich nicht nur spannend, sondern auch enorm lehrreich. Insbesondere in der Art, dass ich danach mit Bestimmtheit wusste, dass ich mir an ihren Lebenswegen kein Vorbild nehmen möchte. Niemals würde mir ein Leben voller Spekulation vorschweben, wie das eines André Kostolany. Zumal ich der Überzeugung bin, dass der einzige Grund, weshalb wir heute seinen Namen kennen, weniger seinem Geschick, sondern der Tatsache geschuldet ist, dass er einmal mehr Glück als Pech hatte. Im Sinne des Survivorship-Bias sind uns all die gescheiterten Kostolanys eben nicht bekannt.

An Warren Buffett schätze ich vor allem die Demut und Bescheidenheit. Er könnte sich auf seine Erfolge enorm viel einbilden, tut dies aber ganz und gar nicht. Das imponiert mir sehr, zumal ich dem Stoizismus sehr interessiert zugeneigt bin. Darüber hinaus ist er einer der wenigen Finanzexperten, der nicht versucht, aus seinem Track-Record auf inszenierende Art und Weise Profit zu schlagen. Stattdessen ist er seinen eigenen Fähigkeiten und vor allem den zukünftigen Erwartungshaltungen gegenüber rational und bescheiden.

CME: Mit deinem Blog möchtest du insbesondere deine weiblichen Follower zum Lesen guter Sachbücher animieren. Hast du das Gefühl, dass Frauen sich seltener (finanziell) weiterbilden?

Celine: Absolut. Und ich würde hier gerne etwas anderes behaupten, aber aus meiner eigenen Erfahrung in meinem Umfeld, aber auch im Social Media und zuletzt bei Miss Germany habe ich mehr als einmal beobachten können, dass sich die meisten Frauen vor solchen Themen noch scheuen. Sowohl Sachbücher als auch vor allem das Thema Finanzen und darin enthalten besonders nochmal Steuerthematiken schrecken offensichtlich viele ab. Genau da möchte ich Impulse zu mehr Mut setzen und den Einstieg erleichtern. Denn wir alle müssen uns eines Tages diesen Themen stellen, ob wir wollen oder nicht und je länger wir damit warten, desto unschöner kommen sie auf uns zurück.

CME: 2021 bist du u.a. mit dem Black Bull Award für den Finanzblog des Jahres ausgezeichnet worden. Was bedeuten dir solche Auszeichnungen?

Celine: Zunächst einmal war der Black Bull Award 2020 meine erste Auszeichnung und wird damit immer unter all den Preisen einen besonderen Platz einnehmen. Darüber hinaus sind solche Preise – vor allem als Finanzblog des Jahres – für mich immer wieder motivierend, weil ich gar nicht als Finanzblog gestartet bin und in der gängigen Meinung der Branche auch gar keinen „richtigen“ Finanzblog darstelle.

Celine Nadolny mit ihren Auszeichnungen für ihre Arbeit am Blog Book of Finance

Celine Nadolny wurde bereits mehrfach für ihre Arbeit am Blog "Book of Finance" ausgezeichnet.

Von Neidern wird mir sowas immer wieder vorgeworfen, weil der typische Finanzblog wohl eher davon geprägt sein soll, dass die führende Person mit ihrer Glaskugel heiße Aktientipps verbreitet, regelmäßig Dividendenausschüttungen mit null Informationsgehalt für die Followerschaft postet und „was wäre wenn“-Szenarien vorrechnet.

Das bin ich aber nicht und zu so etwas wird Book of Finance auch niemals mutieren. Mein Schwerpunkt liegt auf Finanzieller Bildung, weil sie meiner Meinung nach essenziell ist in einer Welt voller lauthals krakeelender Experten, die einem das Geld aus der Tasche ziehen wollen. Niemals wird es von mir tausende Euro teure Mentoring-Programme geben, wo ich den Weg zu schnellem Reichtum verspreche, keine Börsen-Newsletter mit Kaufempfehlungen und Chart-Signalen oder irgendwelche Premium Inhalte, um sich auf den nächsten Börsencrash vorzubereiten.

Solche Inhalte sollten gemeinhin Warnsignale sein.

CME: Wann genau hattest du deinen ersten Berührungspunkt mit dem Thema Finanzen und wie sah dieser aus?

Celine: Das ist schwer zu sagen, weil es im Leben eigentlich immer direkt oder indirekt ums Geld geht. In frühen Jahren waren es wohl meine Ferienjobs. Obgleich ich in sehr gutem Hause aufgewachsen bin, wurde mir schon früh beigebracht, dass das Geld nicht vom Himmel fällt, sondern wir dafür auch etwas leisten müssen.

Wenn ich also mein Zimmer umdekorieren oder in den Urlaub fliegen wollte und mein Taschengeld dafür nicht ausreichte, dann musste ich zwangsläufig mir einen Nebenjob suchen und dafür arbeiten.

Mein erstes eigenes Geld habe ich so bereits mit 13 Jahren erwirtschaftet und unterschwellig meinen Fleiß entwickelt.

CME: Hast du das Gefühl, dass du während deiner Schulzeit ausreichend auf die wichtigen finanziellen Aspekte des Lebens vorbereitet wurdest?

Celine: Null Komma null. Während der Schulzeit habe ich rein gar nichts über Geld, Finanzen, Steuern, Unternehmertum oder damit verwandte Bereiche gelernt und kann es bis heute nicht fassen, wie klein offensichtlich die Lobby für diese Themen im Bildungsministerium ist.

Hätte ich nicht nebenher so viel gelesen, würde ich heute wahrscheinlich auch Opfer der Finanzindustrie, wüsste nicht, wie ich selbst ein Unternehmen gründen könnte und hätte Angst vor dem Finanzamt.


CME: Beschreibe dein persönliches Money Mindset in einem Satz!

Celine: Geld ist nur Mittel zum Zweck und sollte niemals etwas anderes für dich darstellen. Denn wäre dem eines Tages so, dann würde das Geld dich besitzen und nicht mehr du das Geld.

CME: Hat sich dieses Mindset im Laufe der Jahre gewandelt?

Celine: Im Kern eigentlich nicht. Nur in meinen frühen Jahren wusste ich eben noch nicht, das und wie man Geld anlegen kann. Ich hatte verstanden, dass ich mir damit Wünsche erfüllen kann und dafür vorher arbeiten muss, aber nicht, dass aus Geld, mehr Geld werden kann, wenn man es clever für sich selbst arbeiten lässt.

Das war für mich das erste wichtige Learning.

Danach gab es dann aber nochmal einen Bruch als ich verstand, dass wir Geld wie ein Magnet anziehen können, wenn wir es schaffe, die werthaltigen Probleme anderer Menschen zu lösen. Eben die Quintessenz des Unternehmertums. Seitdem bin ich ready für alles.

Wer Aktien, Börse oder generell den Kapitalmarkt verstanden hat und anschließend nicht investiert, befindet sich entweder in einer absoluten Ausnahmesituation oder ihm/ihr ist nicht mehr zu helfen.

Celine nadolny

CME: Laut Statista ist nur etwa jeder 6. in Aktien investiert. Was, denkst du, ist der Grund, dass in Deutschland aktuell noch so wenig investiert wird?

Celine: Mangelnde Finanzielle Bildung. Man könnte jetzt auch Angst, Bescheidenheit, Desinteresse oder schlechte Erfahrungen aufzählen, aber all das fußt dann wiederum auf mangelnder finanzieller Bildung. Wer Aktien, Börse oder generell den Kapitalmarkt verstanden hat und anschließt nicht investiert, befindet sich entweder in einer absoluten Ausnahmesituation oder ihm/ihr ist nicht mehr zu helfen.

CME: Wie sieht deine Anlagestrategie aus?

Celine: 100% passiv am Aktienmarkt über ein steuer- und faktoroptimiertes Weltportfolio. Ohne Emotionen, ohne regelmäßige Updates, ohne Panikattacken. Ich habe offen gestanden bereits seit Monaten nicht mehr in mein Depot geschaut. Schlicht, weil es für mich keinen Mehrwert darstellen würde.

CME: Wir sind ein Fortbildungsinstitut zur Vermittlung von Börsenwissen. Hast du solch eine Weiterbildung selbst schon einmal gemacht und wenn ja: Was hast du für dich gelernt?

Celine: Tatsächlich habe ich bereits mehrfach drüber nachgedacht, solche Weiterbildungen anzustreben, aber da viele der Autor:innen mittlerweile zu meinen Mentor:innen und guten Freunden geworden sind, weiß ich, dass ich bereits über ungeheures Wissen verfüge und aus solchen Fortbildungen nicht mehr viel ziehen würde mit Ausnahme von Titeln und Abschlüssen. Aber sowas war noch nie meine Motivation, weshalb es für mich nicht in Frage kommt.

Mein Netzwerk ist so breit engagiert und tief in der Materie, dass ich bspw. bei steuerlichen Stiftungsfragen direkt weiß, wen ich anrufen kann oder falls ich dann doch nochmal über meine Anlagestrategie nachdenken möchte, ein paar Leuten meine Fragen und Gedanken zum Feedback schicke.

In Sachen Persönlichkeitsentwicklung studiere ich aktuell zunehmend die Philosophen der Antike und arbeite viel mit Achtsamkeitsübungen, um zu reflektieren, inwieweit ich mich noch auf meinem Weg befinde und welche Herausforderungen mit in Zukunft am meisten reizen.

CME: Unser Anliegen ist es, Finanzwissen zu streuen und die Finanzbildung anderer aufzubauen. Hast du einen ultimativen Buchtipp zum Thema finanzielle Bildung?

Celine: Souverän Investieren von Gerd Kommer. Wie oben bereits beschrieben, ist das das eine Buch, das jeder gelesen und verstanden haben sollte. Alles darüber hinaus ist dann nur noch die Feinjustierung der Kompassnadel und die Suche nach dem Warum dahinter.

CME: Eine Frage haben wir noch zum Abschluss: Was bedeuten für dich (finanzielle) Freiheiten?

Celine: Finanzielle Freiheit ist für mich die Fähigkeit, Entscheidungen vollkommen frei von örtlichen, personellen, weitestgehend auch zeitlichen und politischen Einflussfaktoren entlang meiner eigenen Lebensziele und Prinzipien zu treffen.


Liebe Celine, wir danken dir für das aufschlussreiche Interview. Es war sehr spannend, eine solch zielstrebige junge Frau mit erklärtem Finanzziel zu treffen. Mit deinem Blog und allen weiteren Projekten in der Zukunft wünschen wir dir weiterhin viel Erfolg. Wir sind sicher, dass du nicht bis 35 auf deine erste Million warten musst 😉


Bildquellen dieses Artikels:

  • © Celine Nadolny by bookoffinance.de

Tags

Finanzbildung, Finanzbücher, finanzielle Bildung, Finanzwissen, Interview, Money Mindset, Verständnis für Geld


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